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als Reaktion auf den Fernseh - Zweiteiler "DieFlucht": Leserbrief / Artikel von Wojtek Mroz "Gemeinsam aufarbeiten"

"Die Flucht" mit Maria Furtw鄚gler bewegte die Deutschen - und nicht nur sie: Der polnische Korrespondent Wojtek Mroz schildert seine Eindrcke.
Von Wojtek Mroz

Als ich die Szene mit dem Pferd sah, das versuchte, den im eisigen Wasser der Kurischen Nehrung versinkenden Wagen mit den v闤lig ersch鞿ften Flchtlingen zu retten, sind mir unwillkrlich Tr鄚en in die Augen geschossen. Ich versprte Rhrung, als Pole, der seit 28 Jahren unter Deutschen lebt, die tagt輍lich damit konfrontiert werden, dass sie als Deutsche in der Vergangenheit schuldig geworden sind. Ich bin sicher, dass neunzig Prozent meiner Landsleute in 鄣nlicher Weise bewegt w酺en, sollte dieser Film in Polen gezeigt werden.

Ebenso wrde die kurze Szene der "Begegnung" der deutschen Frauen mit Rotarmisten in Ostpreu絽n die polnischen Zuschauer erschttern. Wobei ich unterstelle, dass der Drehbuchschreiber diese Szene bewusst m鐷lichst kurz gehalten und keineswegs in einer grausamen Weise gezeigt hat, wie sie durch die Wirklichkeit durchaus gerechtfertigt w酺e, um einer gewissen politischen Korrektheit genge zu tun: Man darf die Russen nicht beleidigen, abgesehen davon, dass sich die Deutschen im tiefsten Grunde ihres Herzens eben wegen dieser Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs immer noch vor dem "russischen B酺en" frchten.

Polnische Parallelen

Bei all dem Wissen um die Grausamkeiten, die deutsche Truppen in der Sowjetunion begangen haben, drfen diese barbarischen Racheakte, begangen an unschuldigen Frauen von M鄚nern mit dem roten Stern auf der Armeemtze, nicht an den Rand gedr鄚gt werden.

Sie sind die Erfahrung einer ganzen Generation von Frauen aus den damaligen deutschen Ostgebieten, und diese haben das Recht, dass ihr Schicksal nicht in Vergessenheit ger酹. Es ist auch fr die Nachgeborenen wichtig, diese Dinge aufzuarbeiten, um die innere Ruhe wiederzufinden.

Als ich den Film angesehen habe, kam in mir ein Gefhl des Neides auf. Neid auf die Deutschen, dass sie solche Produzenten haben, die ber die Mittel verfgen, um in einem Spielfilm an die Trag鐰ie von Landsleuten zu erinnern, die vor dem Tod geflohen sind. Solch einen Produzenten hat die polnische Filmwirtschaft noch nicht gefunden.

Auch frchte ich, dass der derzeit von Andrzej Wajda gedrehte Film ber die Erschie腜ng von 22 000 polnischen Offizieren durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD im Wald von Katyn und an anderen Orten dasselbe Problem mit sich bringt, das so viele andere unserer Filme ber dramatische Epochen unserer Geschichte begleitet: Die menschliche Trag鐰ie wird in einer Bildersprache und in Zusammenh鄚gen gezeigt, die sich nur den Polen zur G鄚ze, den meisten ausl鄚dischen Zuschauern aber nur sehr unvollst鄚dig erschlie絽n.

Gemeinsames Schicksal

Es w酺e sehr wnschenswert, wenn man durch die Filmkunst vom Schicksal meiner Landsleute erfhre, die 1939 aus dem damaligen Ostpolen vom sowjetischen Geheimdienst in die Weiten Sibiriens deportiert wurden. Nur sehr wenige Deutsche wissen, was nach Beginn des Krieges mit den Polen geschehen ist, die unter unmenschlichen Bedingungen leben mussten, von denen ein Gro腷eil die Deportation nicht berlebte.

Die meisten der 鈁erlebenden kamen nach dem Krieg in die frheren deutschen Ostgebiete - und sie fhlen wirklich keinen Hass gegenber den Deutschen, vielleicht, weil sie sie nicht im Krieg als grausame Besatzer erlebt haben, sondern nur nach dem Krieg als geschlagenes Volk.

Vielleicht drehen Deutsche und Polen einmal gemeinsam einen Film ber jene Polen, die erst das Schicksal der Vertreibung durch die sowjetischen Besatzer erlebt haben und sich dann gegen ihren Willen in Schlesien, Pommern, Masuren niederlassen mussten, von wo die Deutschen vertrieben wurden.

Wobei auch nicht vergessen werden drfte, dass zu den polnischen Neusiedlern viele Warschauer geh顤ten, die nicht in ihre H酳ser zurckkehren konnten, weil diese von den Deutschen nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes im Herbst 1944 zerst顤t worden waren, so wie die deutschen Besatzer auch Kirchen, Pal酲te, Museen, Bibliotheken sprengten, w鄣rend die Rote Armee vom Ostufer der Weichsel ruhig zusah.

Jugend und Geschichte

Ich erinnere mich an die Erz鄣lung meiner Gro羥utter von der ersten Begegnung mit Deutschen: Es war im Jahr 1946 auf einem Bahnhof im Osten Kasachstans. Sie konnte nach Polen zurckkehren, die Deutschen aber wurden weiter nach Osten deportiert, in das eisige Sibirien. Junge Kerle, fast noch Kinder, die nicht wussten, was sie erwartet.

Meine Gro羥utter berichtete, dass die Polen den jungen Deutschen all das, was sie nicht dringend selbst brauchten, abgaben, weil sie diese "Eish闤le" schon hinter sich hatten. Sie sahen sie nicht als Feinde an, sondern als Opfer. Als sie nach Polen zurckkam, wurde ihr ein Wohnort in den Westgebieten, wie nun offiziell die bisherigen Ostgebiete des deutschen Reiches hie絽n, zugewiesen.

Eine kurze Telefonumfrage am Montagabend nach dem zweiten Teil des ARD-Films unter polnischen Bekannten in Berlin. Und ein paar erste Antworten: ein Film, der notwendig war, wahrhaftig. Eine Bekannte sagte: "Es war gut, dass er nicht die Opfer angeklagt hat!" Diese Worte haben mich berhrt.

In Deutschland w踄hst die dritte Generation nach dem Kriege heran, darunter wunderbare junge Leute, zu ihnen geh顤t meine 14-j鄣rige Tochter. Fr sie wird dies alles Geschichte sein. Wir aber mssen, solange die letzten Vertreter der Kriegsgeneration noch leben, diese Geschichte gemeinsam aufarbeiten.

Wojtek Mroz lebt als polnischer Radio-Korrespondent in Berlin. Mroz, 53, arbeitet fr mehrere Regionalsender seiner Heimat und war in den achtziger Jahren fr die Osteuropa-Redaktion des RIAS t酹ig.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/685/104581/

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sobota, 10 marca 2007, kultur

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